01.09.17 – Alter: 50 Tage

Deutschland vor dem Immobiliencrash?!


In deutschen Städten wird das Wohnen immer teurer. Vor allem in Großstädten wie München oder Frankfurt steigen die Mieten und Immobilienpreise seit längerer Zeit stark an. Viele Wirtschaftsexperten warnen deshalb bereits davor, dass die Immobilienblase in Deutschland bald platzen könnte — mit verheerenden Folgen für die Wirtschaft.

Diese Befürchtung hat auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. In einem Gastbeitrag für die „Süddeutsche Zeitung“ erklärte er, um einen Immobilien-Crash zu verhindern, müsse die Europäische Zentralbank (EZB) von ihrer lockeren Geldpolitik abweichen. Denn durch die niedrigen Zinsen legten immer mehr Menschen ihr Geld lieber in Immobilien an, auch wenn sie sich das eigentlich gar nicht leisten könnten.

Bankenaufsicht soll Immobilienblase verhindern — sie hat aber gar nicht die nötigen Mittel dafür
Krämer schreibt, die EZB sehe die Bankenaufseher in der Verantwortung, das Finanzsystem stabil zu halten. Deren Mittel sind jedoch nur begrenzt wirksam. Die Bankenaufsicht kann zum einen beispielsweise von den Banken verlangen, Kapitalpuffer zu bilden, um mit dem zusätzlichen Kapital mögliche Verluste ausgleichen zu können. Zum anderen können sie den Kunden der Banken Beleihungsgrenzen vorgeben, dass sie sich nur auf eine bestimmte Summe abhängig vom Wert der Immobilie verschulden dürfen oder einen gewissen Teil des Darlehens in einem bestimmten Zeitrahmen zurückzahlen müssen.

Krämer erklärt jedoch, durch den starken Immobilienmarkt können Banken leicht an mehr Kapital kommen und so die Forderungen der Bankenaufseher erfüllen. Auch Kunden hätten durch steigende Immobilienpreise mehr Sicherheiten, wodurch sie wiederum größere Darlehen aufnehmen könnten.

EZB soll Bankenaufsicht unterstützen
„Viele dieser Maßnahmen verfolgen vor allem das Ziel, Banken oder Immobilienbesitzer durch mehr Eigenkapital widerstandsfähiger zu machen, damit sie eine Finanzkrise besser überstehen“, erklärt Krämer. „Die Krise wird dadurch zweifelsohne weniger tief. Aber viele dieser Instrumente helfen kaum, Übertreibungen schon frühzeitig zu dämpfen und damit zu verhindern, dass es überhaupt zu einer Krise kommt.“

Stattdessen, sagt er, sollte die EZB langsam die lockere Geldpolitik beenden und der Bankenaufsicht unterstützend zur Seite stehen — sonst könnte schon in wenigen Jahren eine Immobilienblase entstehen und platzen.

„Alles in allem zeigt die Erfahrung, dass man die Bankenaufseher überfordert, wenn sie alleine die nächste Blase verhindern sollen. Schon gar nicht sollte man erwarten, dass aufsichtsrechtliche Maßnahmen gegen Immobilienpreisanstiege durchschlagend wirken, wenn die EZB eine sehr lockere Geldpolitik betreibt und Baugeld spottbillig macht“, erklärt er. „Es wird daher Zeit, dass die EZB der Bankenaufsicht in ihrem Kampf für Finanzmarktstabilität den Rücken stärkt.“

 

Quelle: Stefanie Kemmner, businessinsider.de